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Konventionen, gesellschaftlicher Umgang

Terranische Konventionen können, je nach Kultur und sozialer Stellung, recht kompliziert werden. Es wird jedoch empfohlen, sich von vorneherein nur auf ein Mindestmass an Konventionen einzulassen. Das wird weit weniger negative Folgen haben als ein Versagen bei dem Versuch, komplexe Konventionen perfekt zu imitieren.

Allgemeines Verhalten

Die Tsakativa sind eine natürliche Lebensform, entstanden aus Lebewesen, die ursprünglich in kleinen Sozialverbänden lebten. Generell bewegen sie sich in dem Spannungsfeld zwischen Individualität und Kollektivität.
Stark ausgeprägte Individualisten sind selten, die Spezies ist eher dem Kollektiv zugeneigt. Totale Selbstaufgabe zu Gunsten des Kollektivs kommt allerdings auch nicht allzu häufig vor. Üblicherweise gehören die Tsakativa kleineren Gruppen an, die in Konkurrenz zueinander stehen. Individualisten, die ausserhalb solcher Gruppen stehen, werden öfters angefeindet.
Gegenwärtig leiden gerade die Terraner der Kernwelten an einer enormen Überbevölkerung. Ihre hochgewachsenen Städte bieten dem Individuum nur wenig Raum zur Entfaltung; dennoch hat diese Lebensweise schon vor langer Zeit zum Kollaps der alten Familien- und Gruppenstrukturen geführt. Die Terraner stehen also vor dem Problem, daß sie einerseits fast immer von ihresgleichen umgeben sind und nur wenig Rückzugsmöglichkeiten haben, andererseits aber unter fehlenden Sozialkontakten und Vereinsamung leben.
Hinzu kommt, daß die Überbevölkerung einen enormen Konkurrenzdruck hervorgebracht hat. Schon früh lernen die Terraner, daß jeder andere ein Konkurrent ist, und das nur sehr wenige - den Leistungsfähigsten - überhaupt eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben haben werden. Und selbst unter den Besten wird stets gesiebt. Jeder weiss, daß er ersetzbar ist und Versagen den Abstieg zur Folge hat.
Terraner werden meist sehr freundlich sein; unerträglich freundlich. Auf den Kernwelten ist es die Angst vor dem Verlust des Auskommens, die den Großteil der Bevölkerung gefügig hält, sowie die Hoffnung auf den weiteren Aufstieg.
Jene wenigen Mitglieder der Oberschicht sind meist herausragend in ihrer Arroganz. Den "unteren Rängen" der Kooperative bringen sie meist nur wenig Respekt entgegen. Es ist wichtig, an dieser Stelle klare Grenzen zu ziehen; die Kooperative ist nicht abhängig von der Gunst der Terraner.

Anrede und Titel

Der Hauptdialekt der Terraner kennt ebenso wie das Klaatianische keine explizite Honorativform. Wird dennoch eine Sprache mit Honorativformen verwendet, so ist die allgemein übliche Anrede zu verwenden; allerdings nur, wenn der Gesprächspartner diese Form ebenfalls verwendet. Spricht er aber in despektierlicher und herablassender Art und Weise, so soll er ebenso angesprochen werden.
Hohe Würdenträger sollten mit ihrem Amt angesprochen werden, etwa "Herr Präsident". Ebenfalls zu verwenden ist ein höherer akademischer Grad, beispielsweise "Dr. Sajeen" oder "Prof. Latun".
Militärs sollten immer mit ihrem Rang angesprochen werden, sofern sie noch im Dienst der Streitkräfte stehen.
Auch bei der Verwendung von Rängen und Titeln sollte darauf geachtet werden, daß der Gesprächspartner sich ebenfalls an die Konvention hält.

Treffen und Verhandlungen

Üblicherweise fallen wichtige Verhandlungen mit den Terranern unter das Aufgabengebiet der PG Sicherheit / UPG Diplomatie, oft auch in Zusammenarbeit mit PG Staat, HG Administration.
Jedoch sollte jeder, der das Gebiet der Terraner bereist, mit den Grundlagen der Verhandlungsführung vertraut sein.
Terraner benötigen etwa 16 bis 25 Jahre, um der Obhut ihrer Vorläufer ("Eltern") zu erwachsen. Wie bei jeder natürlichen Spezies, sind die Vorläufer für die Aufzucht, den Schutz und die Erziehung ihrer Nachläufer ("Kinder") zuständig. Um ihre Kinder dazu zu bringen, das zu tun, was die Eltern wollen, verwenden sie meistens ein autoritäres System von Belohnungen und Bestrafungen. Die meisten der Terraner verinnerlichen dieses Prinzip und führen es später selbst weiter. Sie entwachsen daher nie wirklich dem Nachläufer-Stadium.
Dies ist ein interessanter Ansatzpunkt. Wer mit den Terranern verhandelt, tut gut daran, ihnen unbemerkt ein Regelsystem vorzusetzen, dessen Einhaltung belohnt und dessen Mißachtung bestraft wird. Zugleich muss stets der Anschein erweckt werden, daß man seinen Gegner nicht im mindesten fürchtet und eigentlich auch nichts von ihm benötigt. Grundsätzlich gilt: die Terraner können der Kooperative nichts geben, was diese dringend braucht; alles, was von ihnen erhalten werden kann, bringt nur etwas Erleichterung.
Die meisten der Terraner sind nur stark dadurch, daß ihr Gegner schwach ist. Sie "leben" von der Angst ihrer Opfer. Wenn von Anfang an deutlich gemacht wird, daß diese Regel hier nicht gilt, wird das Selbstvertrauen und die Gefährlichkeit des Gegners schnell dahinschwinden.
Auch muss stets darauf geachtet werden, in allen Situationen stets die Initiative zu behalten. Nicht der Gegner, sondern ihr müsst zu jeder Zeit die Regeln der Auseinandersetzung diktieren, sei es bei Verhandlungen oder im Kampf.

Die Politiker und Verhandlungsführer der Terraner sind üblicherweise Meister in ihrer Kunst. Sie verstehen es nahezu perfekt, ihrem Gegner die eigene Position aufzudrängen, ihn zu verwirren und zu überreden. Sie verkürzen Zusammenhänge und Argumentationsketten und appellieren mit ihrer Körpersprache und Wortwahl an die Gefühle ihrer Zuhörer. Manche haben es zu solcher Perfektion gebracht, daß sie den Verstand ihrer Opfer nahezu vollständig ausser Funktion setzen können.
An einen solchen Meister zu geraten, hat einen enormen Vorteil: all seine Techniken und Fähigkeiten sind vor jedem Mitglied der Kooperative nutzlos. Sie versuchen Mechanismen anzusprechen, über die Jarepatitava schlichtweg nicht verfügen.
Derlei Gegner können sehr gut mit Sachfragen konfrontiert werden. Sie werden immer wieder aufs neue versuchen, die Tatsachen zu ihren Gunsten zu verdrehen und schönzureden - Beharrlichkeit wird hier jedoch mit Erfolg belohnt werden.
PG Sicherheit / UPG Diplomatie ist mittlerweile darauf spezialisiert, Teile des terranischen Verhaltens zu kopieren und ihre emotionalen Schwachstellen und Instinkte gezielt gegen sie einzusetzen.

Gesprächsthemen

Wird man zu öffentlichen Ereignissen eingeladen, lassen sich oberflächliche Gespräche ("Small Talk") wohl kaum vermeiden. Es ist wichtig, diese Gespräche nicht mit allzuviel Ernst zu führen; sie dienen primär der kurzweiligen Unterhaltung und nicht der Auseinandersetzung. Es gilt daher, eine Eskalation zu vermeiden.
Natürlich sollte auch immer mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß der Gesprächspartner ein Mitglied des terranischen Geheimdienstes oder ein anderweitig Interessierter ist, der eine scheinbar harmlose Unterhaltung nur zum Zwecke der Informationsgewinnung führt. Auch sollte man sich nie von den Terranern reizen und herausfordern lassen. Wenn der Gegenüber auf Konfrontation aus ist, sollte man die Unterhaltung auf ein langweiliges Gebiet lenken und sich einen neuen Gesprächspartner suchen, sobald er das Interesse verloren hat.
Der Vergleich militärischer oder wirtschaftlicher Stärke sowie die Diskussion verschiedener Staats- und Gesellschaftssysteme - vor allem dem der Terraner gegen das der Kooperative - sollte vermieden werden. Diese Themen dienen meistens dem alleinigen Zweck der Konfrontation.
Diskussionen auf anderen Gebieten sollten locker und ungezwungen geführt werden. Wie erwähnt, Ziel des "Small Talk" ist der Austausch, nicht die Auseinandersetzung.

Wettkämpfe, Herausforderungen, Spiel

Die Terraner kennen unzählige Spiele, sei es das Glücksspiel, sei es der sportliche Wettkampf oder die reine Unterhaltung. Doch aus einem Spiel kann schnell Ernst werden; eine Eskalation ist zu vermeiden. Dank unserer synthetischen, optimierten Form sind wir den Terranern gür gewöhnlich in vielerlei Hinsicht überlegen. Daher muss man selbst wissen, ob es Sinn macht, an einem Wettkampf teilzunehmen, den man mit Leichtigkeit gewinnen oder zumindest sehr gut bestreiten kann. Vor allem einfache Auseinandersetzungen, die wenig zusätzliches Geschick erfordern, wie z. B. einfache Wettrennen oder Kräftevergleiche sollten vermieden werden.
Komplexere Sportarten sollten daher bevorzugt werden; hier fällt der Vorteil des optimierten Körpers weniger ins Gewicht, da andere Faktoren wie Geschick, Übung und Erfahrung mit hinzukommen. Vor einem Wettkampf sollte man sich nie siegesgewiss geben. Als Gewinner hat man seinem Gegner Respekt zu zollen, ebenso als Unterlegener. Erniedrigt euch nie dazu, eure Niederlage allerlei äußeren Umständen zuzuschieben.
Vorsicht vor dem Glücksspiel. Es ist nicht berechenbar und meist nicht durch Können erfolgreich zu bewältigen, daher der Name Glücksspiel. Da jedes Mitglied der Kooperative während des Aufenthalts auf terranischem Gebiet Währungseinheiten zur freien Verfügung zugeteilt bekommt, spricht nichts gegen die Teilname an einem solchen Spiel. Zu beachten ist jedoch, daß es in einem legalen Umfeld stattfindet.

Verantwortlich: Hadanite Marasek

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