Konventionen, gesellschaftlicher Umgang
Die Jarepatitava haben wenig eigene Konventionen. Ihre
Gesellschaft bleibt recht locker verknüpft und hat nur wenig
ausgeprägte Hierarchien, so daß die Notwendigkeit nicht gegeben
ist.
Dennoch gibt es einige Punkte, die ein Besucher beachten sollte,
vor allem wenn er die Kooperative mit einem offiziellen Auftrag
bereist.
Allgemeines Verhalten
Selbst die grossen Städte und Stationen der Jarepatitava wirken
unbelebt und leer. Wer aus den hektischen, überbevölkerten
Metropolen des Kerngebietes stammt, wird besonders erstaunt sein.
Er wird keine aufdringlichen Werbehologramme, Bildwände,
Duftgeneratoren und marktschreierisches Anpreisen von Waren aller
Art vorfinden. Der Himmel ist hell und klar, nur wenige
Schwebefahrzeuge sind unterwegs. Die Strassen sind relativ leer -
nur in den Gängen unter der Oberfläche geht es belebter zu. Jedoch
ist die Bevölkerungsdichte im Allgemeinen um ein vielfaches
geringer und jede Stadt dezentralisiert aufgebaut, so daß es kaum
Ballungsgebiete gibt.
Der Besucher sollte sich seiner Umgebung anpassen. Er sollte sich
in kleinen Gruppen, besser noch alleine oder zu zweit bewegen. Was
die Kleidung betrifft, so gibt es nichts zu beachten, jedoch sollte
sie den Körper einigermassen bedecken. Immer sollte man bedenken,
daß die Jarepatitava das Natürliche ablehnen, ja sogar verachten.
An dieser Stelle können sie direkt leidenschaftlich und irrational
reagieren. Wer also gegen den Turm der Administration pinkelt oder
an den Obelisken vor der Stadtverwaltung gelehnt heftig knutscht,
sollte sich nicht wundern, in den nächsten Transporter Richtung
Aliset gesetzt zu werden. Man sollte jederzeit darauf achten, seine
natürliche Herkunft so weit als möglich zu kontrollieren. Es wird
einem den Respekt der Jarepatitava einbringen.
Zu vertrauter Umgang mit Fremden sollte vermieden werden. Die
Jarepativa halten es für selbstverständlich, daß Fremde Fremden
gegenüber misstrauisch sind und sehen es als Beleidigung an, wenn
sich jemand zu vertraut gibt. Körperlicher Kontakt sollte auf jeden
Fall vermieden werden, auch wenn man sein Gegenüber lange und gut
kennt. Distanz zu halten ist eine wichtige Grundregel, die man
stets beachten sollte.
Anrede und Titel
Die Sprache der Jarepatitava, das Klaatianische, kennt keine
Höflichkeitsform. Werden Verhandlungen in einer Sprache mit
Höflichkeitsform geführt - etwa Aussenraumdeutsch oder
Exiljapanisch - kann man sich rein theoretisch zwischen der
persönlicheren oder der formaleren Variante entscheiden. In diesem
Falle sollte man nur auf Konsistenz achten, d. h. man sollte alle
Anwesenden mit der gleichen Form ansprechen.
Der Nachname eines Jarepatitava ist sein Hauptname. Es wird zu
keiner Situation kommen, in dem der „Vorname“ verwendet
werden kann, und die Stellung des Vornamens soll nicht dazu führen,
ihn von der Funktion her mit seinem terranischen Pendant
gleichzusetzen.
Noch dazu legen die Jarepatitava wenig Wert auf Namen und benutzen
sie hauptsächlich, wenn sie über jemanden sprechen, der nicht
anwesend ist. Vermeiden sie es, den Namen ihres Gegenübers im
Gesprächsverlauf ständig zu nennen. Der Nachname eines
Kooperativenmitgliedes setzt sich aus seinem Namen und dem Titel
zusammen.
Der gegenwärtige Vorsitzende („Erste“) der Kooperative,
Matano Dahakon, kann entweder „Erster der Kooperative
Daha“ oder „Dahakon“ genannt werden. Eine
Doppelung wäre überflüssig.
Ausserhalb eines offiziellen Rahmens, wenn man den Kontek nicht in
seiner Funktion als solcher anspricht, reicht es, ihn auf
„Dahasek“ oder „Herr Daha“ zu reduzieren.
Sek ist die einfache Höflichkeitsform und leitet sich vermutlich
aus „mashek“ ab, Mitglied.
Eine allgemeine Anrede für Administratoren gleich welchen Ranges
ist die Bezeichnung „Erster“. Gegenüber kommandierenden
Offizieren kommt sie dem „Sir“ der terranischen
Streitkräfte gleich.
Treffen und Verhandlungen
Jarepatitava können zähe Verhandlungspartner sein. Es ist zwar
so, daß sie selten besonders harte Forderungen stellen oder endlos
feilschen. Sie sind jedoch sehr konsequent und brechen
Verhandlungen ab, sobald sie der Meinung sind, daß sie nichts dabei
gewinnen können oder der „Aufwand mit den Fremden“ die
Sache nicht wert sei. Jarepatitava versuchen stets, Abhängigkeit zu
vermeiden. Verhandlungen beginnen sie meistens mit dem Wissen, daß
ein Abkommen allenfalls eine Erleichterung, aber keine
Notwendigkeit ist. Ein Angebot, daß sie in Abhängigkeit führt,
werden sie fast immer ablehnen.
Mit Lobbyismus kann man bei ihnen ebenfalls nichts gewinnen. Das
die Anwesenheit einer fremden Firma im Raum der Kooperative
geduldet wird, sehen sie als Privileg, nicht als Recht. Vorsicht
also bei zu hohen Forderungen - man kann sehr schnell alles
verlieren, einzig und alleine zur Demonstration der Unabhängigkeit
der Kooperative. Es sollte auch vermieden werden, die Jarepatitava
zu Erklärungen zu drängen: sie wollen sich nicht rechtfertigen und
lassen sich erst recht nicht in die Ecke drängen.
Es muss ausserdem bedacht werden, daß viele Tricks nicht
funktionieren. Wer sich darauf verläßt, die Jarepatitava mit
schönen und nichtsagenden Begriffen zu beeindrucken oder mit der
Körpersprache zu beeinflussen, wird von ihnen mit Sachfragen
konfrontiert werden und scheitern.
Im Gegenzug beherrschen sie das Spiel selbst recht gut. Nur wenige
können sich dem Charisma entziehen, das manche ihrer Diplomaten
ausstrahlen; es ist das Produkt langwieriger Forschungen, die
schließlich in neue Körpermodelle und Ergänzungen ihres zentralen
Nervensystems eingeflossen sind.
Verhandlungen führen sie bevorzugt in kleinen Gruppen. Oft sind nur
die beiden Verhandlungspartner und jeweils ein Berater zugelassen.
Bei der Wahl des Abgesandten sollte darauf geachtet werden, daß
der- oder diejenige über ausreichend Erfahrung verfügt. Auch sollte
er nicht jemand sein, der nur durch besondere Fähigkeiten
erfolgreich ist. Was bei Menschen wirkt, ist bei Jarepatitava
nutzlos.
Daß die Jarepatitava das Organische, Natürliche und Unperfekte
strikt ablehnen, sollte ebenfalls bedacht werden. In seinem
menschlichen Gegenüber sieht ein Jarepatitava ein Zerrbild seiner
selbst: eine überholte und fehlerhafte Version. Verhandlungspartner
sollten daher keine offensichtlich erkennbaren körperlichen
Deformationen aufweisen, etwa Missbildungen oder fehlende
Gliedmaßen. Ein Jarepatitava wird dies umso mehr ablehnen, da er ja
weiss, daß seine Technologie die meisten Krankheiten heilen kann
und sein Gegenüber offenbar entschieden hat, in mangelhaftem
Zustand weiterzuleben. Damit wird jeder Respekt
verlorengehen.
Die Zeichen des Alters akzeptieren sie eher, jedoch sollten sie
nicht allzu offensichtlich zu Tage treten (Tränensäcke,
Haarausfall, Doppelkinn etc.). Auch ungewöhnliche
Körperproportionen, etwa bei Kleinwüchsigkeit, Fett- oder
Magersucht, kommen nicht in Frage bei der Wahl des idealen
Abgesandten.
Gesprächsthemen
Auch wenn menschliche Gäste fast uneingeschränkte Redefreiheit
besitzen, so sollte man im eigenen Interesse doch bei der Wahl der
Gesprächstehmen mit Bedacht vorgehen.
Es empfiehlt sich nicht, die Überlegenheit der einen Spezies über
die andere zu diskutieren. Die Jarepatitava lassen sich für
gewöhnlich nicht leicht provozieren; irgendwann jedoch ist eine
Grenze erreicht und sie fühlen sich dazu aufgerufen, ihrem
Gegenüber eine Lektion zu erteilen.
Religiöse Themen sollten vermieden werden. Damit disqualifiziert
man sich nur selbst und wird als unreifer Dummkopf angesehen
werden.
Abwertende Äußerungen über die Lebensweise der Jarepatitava
verbieten sich natürlich von selbst. Für gewöhnlich werden die
Jarepatitava selbst ihre Gäste nicht verspotten.
Wettkämpfe, Herausforderungen, Spiel
Einige Spiele und Sportarten sind auch unter den Jarepatitava
recht beliebt geworden. Schach kennen sie schon seit den Zeiten der
Eingeweihten, die dieses Spiel von der Erde mitbrachten.
Kämpferische Auseinandersetzungen wie Fechten, waffenloser Kampf
oder Schiessen sind ebenfalls ein beliebter Zeitvertreib.
Wer sich gut mit den Jarepatitava versteht und einige Personen
näher kennengelernt hat, kann sich ruhig auf den freundschaftlichen
Wettstreit einlassen oder selber dazu aufrufen. Man sollte
natürlich bedenken, daß die Jarepatitava auf Grund ihrer
optimierten Körper generell sehr leistungsfähig sind.